Alles eine Frage des Bereiches – Nicht mit dem Driver auf Spatzen schießen

Dass man durch die richtige Vorbereitung viele Details planen kann, konnten Sie in der letzten Episode lesen. Die Vorbereitung darin zielt nämlich auf die Durchführung ab.

Beginnen wir wieder mit dem Golfspiel.

Die unterschiedlichen Längen und die Beschaffenheit der Bahn erfordern einen unterschiedlichen Ballflug. Um diesen optimal zu erreichen, ist es erforderlich, sich die Schlägerwahl genau zu überlegen. Auf jede Runde darf der Spieler bis zu 14 Schläger mitnehmen, mit denen er die Flugkurve des Balls sowie den Vorwärts- und Rückwärtsdrall des Balls beeinflussen kann.

Der Driver, der größte Schläger im Bag (Golftasche) sorgt für maximale Länge und wird daher häufig beim Abschlag auf langen Bahnen eingesetzt. Richtig angewendet, erzielen Sie hier viel Länge und viel Vorwärtsdrall des Balles. Der Ball rollt also nach dem Aufkommen im Idealfall noch einige Meter weiter. 

Das andere Extrem zum Driver ist das so genannte Wedge. Dieses erzeugt eine hohe Ballflugkurve und viel Rückwärtsdrall. Der Ball bleibt daher sehr kurz nach dem Aufkommen liegen.

Nimmt man das Wedge, was sich meist am besten kontrollieren lässt, sieht man viel vom Platz, denn man kommt nur in sehr kurzen Schritten voran. Schlägt man auf kurzen Bahnen auch mit dem Driver ab, schlägt man schnell über das Ziel hinaus.

Genauso verhält es sich in Ihrem Personalbemessungsprojekt. Legen wir die unterschiedlichen Erhebungsmethoden auf die Golfschläger, so kann man Folgendes sagen:

Wichtig ist: Der Schläger muss zur Bahn wie die Methode zum Projekt passen.

Nicht jedes Erhebungsverfahren ist für jeden Bereich geeignet.

Das Alternative Verfahren kann für Sie – sofern Sie nicht eine oberste Bundesbehörde sind – in der Regel nur für eine erste grobe Einschätzung dienen. Auf sehr groben Aufgabenpaketen verteilen Sie Ihre Prozente, zu denen Sie aktuell mit der Aufgabenerledigung gebunden sind. Zum Beispiel sind Sie mit Führung der unterstellten Mitarbeiter zu 30 % Ihrer Zeit gebunden. Diese Prozente werden in Kapazitäten umgerechnet und ergeben am Schluss eine Übersicht über die Aufgabenverteilung der Funktion, Stelle oder des Bereiches.

Erhebungsverfahren in der Übersicht

Schätzverfahren sind manchmal der „Driver“ der Erhebung. Mit wenigen Schlägen bekommt man ein schnelles Ergebnis und hat mit wenig Aufwand ein vergleichsweise gutes Ergebnis erzielt. Das Problem kann die Streuung der Werte sein. Zudem sind sie bei neuen Prozessen und Mitarbeitern ohne Erfahrungswerte nicht verwendbar, da sie nicht über ausreichend Erfahrungswerte zu den Aufgaben verfügen.

Die Mitarbeiterkapazitätsverteilung ist ein Verfahren, das hervorragend für Stabs-/Steuerungs-Querschnittsbereiche geeignet ist, da der Anwender seine Gesamtbearbeitungszeit zur Aufgabe schätzt. Ein Beispiel: Die Buchhalterin schätzt, dass sie 6 Stunden im Monat mit der Bearbeitung von Gehaltsabrechnungen gebunden ist. Stellt man eine Menge gegen diese Gesamtbearbeitungszeit, so kann eine durchschnittliche Bearbeitungszeit für eine Gehaltsabrechnung berechnet werden. Für eine möglichst hohe Genauigkeit des Verfahrens sollte die MAK-Verteilung ausschließlich als Vollerhebung verwendet werden.

Die Zeitschätzverfahren (PERT-Methode, Einzelzeitschätzung und Zeitklassenschätzverfahren) sind hingegen nur für Leistungsbereiche oder bestimmte Tätigkeiten aus den Stabsbereichen geeignet, denn hierbei schätzt der Mitarbeiter die durchschnittliche Bearbeitungszeit für die Menge 1 der Aufgabe. Wie lange dauert ein Telefonat im Durchschnitt … Diese Verfahren sind sowohl als Vollerhebung als auch als Teilerhebung verwendbar.

Die exakte Zeitmessung kann man eher mit den „Wedges“ gleichsetzen. Sie ist zwar die genaueste Methode und auch die Methode, die die meisten Werte liefert, allerdings passt die Methode nicht in jeden Bereich und bringt eine längere Projektlaufzeit mit sich. Die Genauigkeit ist aber meist um ein Vielfaches höher. Es ist wieder gut für Leistungsbereiche und nur für bestimmte Aufgaben aus den Stabsbereichen geeignet.

Sie sehen also – je nach Bereich und Untersuchungsziel müssen Sie die richtige Wahl der Methode/des Schlägers treffen.

Kennen Sie auch schon die ersten drei Episoden von Golf vs. Personalbemessung?

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