BPMN & Co. – Das Englisch des digitalen Zeitalters

BPMN & Co. - Englisch des digitalen Zeitalters
Wie gut, dass wir alle ein bisschen Englisch können. Genau diese Brücke bildet BPMN und Co. im babylonischen Sprachgewirr zwischen Business und IT

Wer kennt das nicht. Im Fachbereich entsteht eine Anforderung, Ihre Prozesse technisch besser zu unterstützen. Wohl wissend, dass die IT viele Fragen haben wird, setzt sich der Business Analyst hin und schreibt die Anforderung. Aus fachlicher Sicht wird der Prozess modelliert, werden die gewünschten Veränderungen an Systemen, Masken und Funktionen skizziert, wird das erwartete fachliche Ergebnis formuliert und werden die betroffenen Geschäftsvorfälle benannt. Ist nach bestem Wissen und Gewissen das Anforderungspaket geschnürt, wird es an die IT übergeben. Schon beim ersten Durchlesen wird klar, die Anforderung ist nicht spezifisch genug. Wechselwirkungen innerhalb der Systeme wurden nicht berücksichtigt, der genaue Datenfluss weist Lücken auf, der zu grobe Prozess lässt die Use Cases nicht wirklich erkennen und die Rollen passen nicht zu den bestehenden Berechtigungen.

Mehrfache Iterationen, Nachfragen und Round Tables sind notwendig, um ein scharfes Bild auf die gewünschte Lösung und mögliche Constraints zu formulieren. Wer solchen Sitzungen beigewohnt hat, weiß, dass viel Zeit verloren wird, weil man immer wieder aneinander vorbei redet.

Zu unterschiedlich sind heute vielfach noch die Begriffs- und Denkwelten von Business und IT. Wie viel zielführender und vor allem zeitsparender wäre es, wenn man die gleiche Sprache sprechen würde und aus der Prozessdarstellung bereits die Kernpunkte der Anforderung interpretationsfrei ableiten könnte. Diese Sprache heißt auf Prozessebene BPMN 2.0. Eine Modellierungs-Notation für Prozesse, die sich weltweit als Standard durchsetzt.

BPMN (Business Process Model & Notation) wurde in 2001 von der IBM entwickelt und wird seit 2005 von der OMG gepflegt und veröffentlicht. Die offizielle BPMN-Publikation finden Sie unter diesem Link: http://www.omg.org/spec/BPMN/index.htm

Inzwischen wurde BPMN 2.0 um zwei wichtige Werkzeuge ergänzt. In vielen Prozessen sind Entscheidungen nach komplexen Geschäftsregeln zu fällen. Sei es die Versandart, der gewährte Rabatt, die Antragsannahme oder die Rechnungsprüfung, Regeln kommen zur Anwendung, die es systematisch zu beschreiben gilt. Mit DMN (Decision Model & Notation) wird veranschaulicht, wie Prüfungen (“Decisions”) auf Eingabedaten, Wissensmodellen, Wissensquellen und anderen Entscheidungen basieren. Wissensmodelle sind im Verständnis der DMN die Entscheidungstabellen, die für jede Kombination von Input-Daten die richtige “Entscheidung” ablesen lassen. Die Kopplung mit BPMN erfolgt über die Decision Task.

Nicht immer ist der Prozessverlauf im realen Alltag strukturiert vorgegeben. Manchmal muss man im Prozess situativ auf Ereignisse reagieren und aus Handlungsoptionen die Beste auswählen. Der Rechtsstreit, die Krankenbehandlung und die Produktentwicklung sind prozessuale Beispiele, bei denen der konkrete Prozessverlauf nicht im Vorfeld determinierbar ist. In diesen Fällen spricht man von Cases, in denen Wissenarbeiter im Prozess Verlaufsentscheidungen fällen müssen. An diesen Stellen greift CMMN (Case Management Model & Notation) als Modellierungssprache. Sie lässt sich mit BPMN über die Manual Task verbinden.

Eingebettet in einen gesamthaften und bereichsübergreifenden Ansatz für Business Process Management eröffnet sich mit BPMN, DMN und CMMN ein sehr großes Potenzial zur Schaffung notwendiger Prozesstransparenz und vor allem ein abstraktes, interpretationsfreies Business-IT-Alignment. Im Gegensatz zu anderen Abbildungsmethoden ist es möglich, Informationsflüsse, Aktivitäten, Ereignisse, Einflussfaktoren, Entscheidungen und Cases in verschiedenen Detaillierungsebenen zu modellieren.

Die Anforderungen des Business werden somit klar und bieten auf Basis von BPMN-Prozessen, DMN-Entscheidungstabellen und CMMN-Cases ein sicheres Fundament für alle Entwicklungsmöglichkeiten. Miteinander verknüpfte Prozessketten werden im Falle eines Changes immer gemeinsam betrachtet und die gegenseitigen Impacts sofort sichtbar. Prozessuale Änderungen wirken somit ebenfalls immer bilateral und halten sowohl Business-Prozess als auch die unterstützenden IT-Prozesse aktuell. Nichts ist wertloser als ein gezeichneter Prozess, der nicht in das geregelte Change-Management eingebunden ist und somit im schlimmsten Fall schon am nächsten Tag veraltet ist.

Ein weiterer zentraler Vorteil der genannten Modellierungssprachen sind deren Ausführbarkeit. Immer mehr Business Process Management Suiten (BPMS) bzw. Workflow Management (WfM) Tools können diese Modele importieren, mit IT Services koppeln, beteiligte Personen über User Interfaces einbinden und die Abwicklung von konkreten Vorgängen bzw. Prozessinstanzen orchestrieren. Damit ist der Gap von Prozessen auf Papier und Prozessen in der IT geschlossen.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Gerne zeigen wir Ihnen, wie sie binnen weniger Tage selbst Prozesse automatisieren können.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.