Kollegialität in der Revision

Ein Artikel von Lutz Ansorge (Geschäftsführer der BAR Business Advisory & Research GmbH)

Werte Kolleg/innen der Revision,

als ich gefragt wurde, ob ich bereit wäre, zu dem „soften“ Revisionsthema „Kollegialität“ einen Beitrag zu verfassen, war ich zunächst im Zweifel, was ich dazu schreiben könnte: Es ist und wird ja vieles gesagt zum Thema.

Aber ich ließ mich hinreißen, und so möchte ich gerne einige – vermeintlich nicht allerorten geteilt aufzunehmenden – Gedanken teilen, die weder Anspruch auf wissenschaftliche Fundierung oder sonstig auf Allgemeingültigkeit erheben, noch eine vollumfassende Befassung mit dem Thema sind.

Drei Aspekte sind mir dabei wichtig anzureißen:
a) Kollegialität im Revisionsteam,
b) Kollegialität im Zusammenspiel von Prüfern und Geprüften und
c) Kollegialität zwischen Unternehmensführung und Revision(-sleitung).

a) Kollegialität im Revisionsteam

Wesentlich ist mir hierbei der Aspekt des kollegialen Umgangs vor PrüferInnen untereinander in Bezug auf die Rollen im Prüfungsteam und die daraus resultierenden gegenseitigen Erwartungen aneinander und der Umgang bei Fragen, Einschätzungen oder gar Problemen.

Unkollegiales Verhalten unter RevisorInnen fängt oft schon bei der Besetzung des Prüfungsteams an. Der Vorgesetzte bestimmt z.B. die Prüfungsleitung in einem Zweiterteam. Dabei kann sich – insbesondere dann, wenn die objektive Prüfungserfahrung der beiden identisch ist –die nicht prüfungsleitende Person zurückgesetzt fühlen. Dies kann zu Missstimmungen (gegen den Arbeitgeber an sich) führen, zu mangelhafter Unterstützung in der Prüfungserledigung („na, dann mach mal, bist ja der Chef“) bis hin zu quasi sabotierenden Verhaltensweisen („hätte ich ja gemacht, aber das hättest Du mir aber sagen müssen“; „oh, das ist mir ja noch nie passiert“).

Um dergleichen gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist es m.E. unerlässlich, dass unter den genannten Voraussetzungen (objektiv identische Eignung der Prüfer/in) vom die Prüfungsleitung Festlegenden herausgestellt wird, dass dieser Umstand be-/erkannt ist und bei der nächsten Prüfung die Besetzung ggf. anders herum vorgenommen werden wird. (Dies sollte m.E. auch im Auge behalten und gelebt werden, ansonsten wird die o.g. Missstimmung später sicher Einzug halten.)

Anregen in Richtung Vorgesetzte und (vor allem im Karrierefrühling befindliche) Prüfungsleiter möchte ich dabei wie folgt:

  • Eine Prüfungsleitung verlangt immer auch einen höheren persönliche Einsatz, so z.B.
    – bei (abendlichen) Abstimmungsgesprächen mit dem Vorgesetzten
    – durch Intervention bei der geprüften Funktion, wenn Dokumentenübergaben oder Gesprächstermine sich verzögern
    – durch die Übernahme der Verantwortung für die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse und die Sicherstellung der (sprachlich, und inhaltlich) einheitlichen, integrierten und fehlerfreien Darstellung im Bericht
    – aus der Koordinationstätigkeit u.a. für Reisebuchungen und Arbeitsmitteln sowie aus anderen planerischen Tätigkeiten.
  • Es kann unter Berücksichtigung der vorgenannten Aspekte für den Mitprüfenden „auch mal schön sein“, nicht die Gesamtverantwortung zu tragen. Des Mitprüfenden Rolle ist dennoch wesentlich für den Erfolg. Man sollte doch hoffen dürfen, dass man eine gute Unterstützungsleistung im umgekehrten Fall mit gleicher Münze von dem Kollegen/der Kollegin vergolten bekommt.

b) Kollegialität im Zusammenspiel von Prüfern und Geprüften

Ich halte diesen für den kritischsten und – leider – zumeist im falschen Geiste behandelten Aspekt.

Allzu oft wird m.E. auf RevisorInnen als „ganz normalen KollegInnen“ abgezielt. Sie mögen durch ihre Arbeit die Fachbereiche unterstützen, seien „Berater“ und sollen – aus der Draufsicht – Kollege sein wie „du und ich“.

Wer sich für den Revisionsjob entscheidet sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass dies i.d.R. nicht das Entrée ist, welches prüferseits vom Gegenüber durchweg erwartet werden darf. Ja, es gibt Geprüfte, die ganz unbefangen damit umgehen, selbst geprüft zu werden. Menschlich sehr verständlich ist dem aus meiner Erfahrung in der Mehrzahl der Fälle aber nicht so. Genervtheit, Unsicherheit, Unbehagen bis hin zu Angst und Ablehnung auf geprüfter Seite sind nicht unüblich.

Wenn der Prüfende dann in die Kollegialitätsfalle tappt, d.h. notwendige Tätigkeiten unterlassen werden, um nicht „unkollegial“ zu sein, oder der Prüfende angestrengt versucht in eine „freundschaftliche“ Atomsphäre zu gelangen, wird die Prüfung ggf. nicht fertig oder nicht den notwendigen Tiefgang haben.

Verwechselt wird dabei, dass Kollegialität gegenüber den Geprüften zwar bedeutet, dass man fair und sachlich bleibt, dass aber Dinge beim Namen genannt werden. Dass Freundlichkeit (ein „Guten Tag“, ein „Bitte und Danke“) immer oberste Maxime ist, Vermeidungs- oder Hinhaltetaktiken jedoch nicht toleriert werden.

Denn: Kollegialität muss auch von den Geprüften einforderbar sein. Revision kostet Geld. Die Prüfungsdauer ist so geplant, dass die Prüfungshandlungen für den Fachbereich minimalinvasiv sind, denn auch deren Belegung durch die Prüfung kostet Geld. Nicht zuletzt (so mein Credo) gehen wir jedem Geprüften mit der Einstellung entgegen, dass er/sie versucht, seinen/ihren Job, menschlich wie fachlich, so gut wie möglich zu erledigen. Und das darf man vom Prüfenden ebenso erwarten.

c) Kollegialität zwischen Unternehmensführung und Revision(-sleitung)

Unter den vielfältigen Aspekten, die an dieser Stelle zu erwähnen wären, liegt mir besonders die innerbetriebliche Fortbildung am Herzen.

Es ist m.E. nicht opportun, die Revisionsleitung mit anderen Führungskräften im Betrieb auf Führungsveranstaltungen zu schicken, ebenso wenig wie Prüfer mit anderen Mitarbeitenden Personalentwicklungsmaßnahmen gemeinsam durchlaufen sollten. (Dies schließt ausdrücklich nicht „technisch-fachliche“ Maßnahmen ein, wie z. B. IT-System-, Produkt-, Sachkundeschulungen/ Unterweisungen).

Es wird den Prüfenden dabei unnötig schwer gemacht, die für die Arbeit der Revision notwendige „Distanz“ zu wahren, die notwendig ist und bleibt, um unabhängig, unbefangen und – im besten Sinne – unpersönlich zu prüfen.

Warum? Weil es hierbei schnell zum „Du“, zum „informellen“ und zum freundschaftlichen Austausch kommen kann bzw. muss (Stichwort: Gruppenzwang). Sofern Sie dann die richtigen distanzwahrenden Schritte gehen, besteht die Gefahr, dass Sie als persönlicher Sonderling angesehen werden, oder gar die ganze Veranstaltung sprengen, wenn sich alle anderen Teilnehmer reserviert verhalten.

Mein Rat muss demnach sein, dass Sie sich als Revisionsleitung und als Prüfende bei internen Personalentwicklungsmaßnahmen genau ansehen, ob sie passend für Sie sind und Sie im Zweifel nach einer außerbetrieblichen Alternative suchen.

Fazit

Wir dürfen uns mit Fug und Recht als Kolleg/innen aller Kolleg/innen ansehen. Ob man uns aus der anderen Warte auch immer so sieht, sei dahingestellt.

Solange wir fair, objektiv und unbefangen unsere Arbeit machen, sind wir im besten Sinne kollegial. Und wem das nicht reicht, den werden wir nicht überzeugen können. Uns jedenfalls muss das reichen, denn sonst hätten wir uns ja einen anderen Beruf ausgesucht.

Herzlichst

Ihr
Lutz Ansorge
Geschäftsführer (BAR Business Advisory & Research GmbH)

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