Prozessmanagement-Trends im Langzeitvergleich

BPMN und Prozessautomatisierung liegen voll im Trend                                    

BPMN und Prozessautomatisierung liegen im Langzeitvergleich (2012-2015) zur aktuellen Bedeutung konstant unter den Top 10. Selbst nach 25 Jahren BPM ist der Bedarf an Dokumentation und Umsetzung von Prozessen nach wie vor hoch. Das Thema Digitalisierung – oft auch im Umfeld von Prozessautomatisierung und BPMN genannt – gewinnt aus Sicht aller Studienteilnehmer sowohl aktuell als auch zukünftig weiter an Stellenwert.

Vergleich nach Teilnehmergruppen

Abbildung 1 macht die Prioritäten deutlich. Hinter den Top-Themen IT-Sicherheit und Compliance liegen die Integration von Prozessmanagement und IT-Systemen (Rang 3) und BPMN (Rang 5) sowie Prozessautomatisierung (Rang 6). Auffallend ist, dass gerade Hochschulen und Wissenschaftler die Bedeutung von BPMN und Prozessautomatisierung deutlich höher einschätzen als die Anwender.

Im Rahmen unserer ibo Prozessmanager-Ausbildung empfehlen wir, die im Unternehmen vorhandenen und identifizierten Prozesse zunächst mit Hilfe des Prozessprofils einem der 3 Prozesstypen zuzuordnen:

Infoboxen Prozesstypen

 

 

 

 

Prozesstypen anhand von Kriterien unterscheiden

Prozesstypen

Auf Basis dieser Klassifizierung kann eine initiale Bestandsaufnahme erfolgen. Dabei zeigen sich häufig schon erste Tendenzen, für welche Prozesse sich eine Automatisierung eignet und unter Kosten-Nutzen Aspekten lohnt. Wenn zudem die Prozesse im Modellierungsstandard BPMN dokumentiert werden, existiert eine hervorragende Ausgangsposition, einen ausgewählten Prozess der Kategorie Regelprozess (IT-gestützt) zum Routineprozess (automatisiert) weiterzuentwickeln.

Den kompletten Pfad der Transformation – vom fachlichen Modell zum ausführbaren Workflow – erleben Sie in unserem Seminar „BPMN 2.0 & Prozessautomation“ anhand eines konkreten Beispielprozesses.

Diskrepanzen zwischen „Hype-Themen“ und Top-10-Ranking                         

Gerade die vielfach propagierten Trends wie Big Data, Industrie 4.0 und Digitalisierung landen nach aktueller Einschätzung nicht unter den Top 10 Themen (Abbildung 2 – Langzeitvergleich Top 12-Themen „aktuelle Bedeutung“).

Langzeitvergleich Top 12

Das Thema Digitalisierung rückt in der vorliegenden dritten Studie zum ersten Mal in den Fokus (Rang 12). Zukünftig gewinnt es aus Sicht der Studienteilnehmer weiter an Bedeutung und verbessert sich auf Rang 5. Die Initiatoren der Studie sehen in den Ergebnissen zur aktuellen Bedeutung eine offensichtliche Diskrepanz zwischen denjenigen, die über „IT-Themen reden und schreiben“ und solchen die „IT konkret im Unternehmen machen“. Gleichzeitig wird auch eine Gefahr darin gesehen, dass IT-/Prozess-Experten und Unternehmensleitung (weiter) auseinanderdriften. Denn während innovative Themen wie Digitalisierung, Big Data und Industrie 4.0 die Diskussion und das unternehmerisch-strategische Denken beherrschen, sind die IT-/ Prozessverantwortlichen vor allem mit der sicheren Beherrschung der aktuellen Prozesse und Systeme beschäftigt.

Damit besteht aus meiner Sicht die Herausforderung, die Strategie- und Innovationsebene mit den Ebenen der Prozessoptimierungsprojekte und des operativen Tagesgeschäfts sowie kontinuierlichen Prozessmanagements stärker zu verzahnen und „barrierefrei“ zu gestalten. Nur ein hoher Grad an Durchgängigkeit (Top-Down) und wechselseitigen Beziehungen (Bottom-Up) gewährleistet, dass Strategie und Innovationen ihren Weg in die Wertschöpfung finden. Das Thema Digitalisierung greifen wir daher zunehmend in unseren Prozessmanagement-Trainings auf und geben damit unseren Seminarteilnehmern neue Impulse.

Digitalisierung und Prozessautomatisierung auf dem Vormarsch       

Unter den Top 5 der zukünftig wichtigsten Themen liegen die Digitalisierung (Rang 4) und Prozessautomatisierung (Rang 5). Daneben haben es die Themen Industrie 4.0 und Big Data in die Top 12 geschafft und verzeichnen den größten Zuwachs an Bedeutung. Denn im IT-Radar 2012 und 2013 waren sie noch nicht vertreten. Dies mag auch daran liegen, dass diese Themen im Umfeld der Digitalisierung immer stärker diskutiert werden.

Eine besondere Bedeutung sehen insbesondere Hochschulen und Wissenschaft im Thema Digitalisierung. Bekanntlich ist die Forschung meist ihrer Zeit voraus, da sie Antworten auf Fragen bietet, die noch gar nicht gestellt wurden und innovative Ideen, die in den nächsten Jahren den Markt revolutionieren (oder auch nicht!). Das sind zugegebenermaßen viele Vorschusslorbeeren… Doch die (erwarteten) Verbesserungen und Vorteile durch Digitalisierung spiegeln sich bereits konkret in einigen Studien wider. So auch in der im Sommer 2015 durch das MIT (Massachusetts Institute of Technology) und Deloitte durchgeführten Befragung von mehr als 4.800 Geschäftsführern und IT-Leitern hinsichtlich ihrer Ziele zur Digitalen Strategie.

Unter den Top 3-Zielen liegen mit 55% die „Verbesserung der Kundenwahrnehmung und -einbindung“, mit 53% die „Effizienzsteigerung (z.B. durch Automatisierung, rechtzeitiger Zugriff auf Expertenwissen und Communities)“ und auf Rang 3 die „Steigerung der Innovationsfähigkeit“ (45%).

Objective of Digital Strategy

Digitalisierung dürfte damit in den Chefetagen und Leitungsebenen angekommen sein. Das nächste IT-Radar ist für 2018 vorgesehen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie bis dahin die digitalen Strategien in neuen Geschäftsmodellen münden und die „Industrie 4.0“ als industriepolitischer Motor sowohl die vertikale als auch horizontale Prozessintegration vorantreiben.

CeBIT 2016 – die digitale Transformation ist da         

Sie zweifeln noch? Unter dem Motto „Die digitale Transformation ist da“ stellten diverse Aussteller in 21 Showcases ganz unterschiedliche Anwendungsszenarien dar, z.B. „Internet of Wine“. Durch die im Weinberg installierten Sensoren werden Temperatur, Luft- und Bodenfeuchtigkeit sowie Sonneneinstrahlung und Lichtstärke gemessen und sind über eine App abrufbar. So kann der Winzer entsprechend reagieren und die Qualität beeinflussen und seinen Ertrag steigern. Besucher erhielten am Stand eine Kostprobe – na dann, ein gutes Glas Wein auf die digitale Transformation und Prost!

Studie zu aktuellen und zukünftigen Trends im Prozessmanagement – Studienkonzept und Studienteilnehmer/-struktur                                                    

Die Studie „IT-Radar für BPM und ERP“ ermittelt und analysiert aktuelle und zukünftige Trends zum Einsatz von Business Process Management (BPM) und Enterprise Resource Planning (ERP).  Sie wurde inzwischen zum dritten Mal von den Hochschulen Bonn-Rhein-Sieg und Koblenz durchgeführt.

Die Studie „IT-Radar für BPM und ERP“ wurde in den Jahren 2012, 2013 und zuletzt 2015 durchgeführt. Die dritte Studie (2015/2016) zum IT-Radar basiert auf einem stabilen Panel aus Fach- und Führungskräften sowie Experten aus den Kategorien Anwender (51%), IT-Anbieter (36%) und Wissenschaftler/Hochschulen (13%). Per Onlinebefragung wurden 103 verwertbare Meinungen und Einschätzungen ermittelt. Im Rahmen der Studie wird für verschiedene Themen neben der aktuellen Relevanz auch die zukünftige Situation bewertet. So lassen sich durch Differenzanalysen die Themen mit der stärksten zukünftigen Entwicklung identifizieren. Das nächste IT-Radar ist für den Herbst 2018 geplant.

Die Studien werden unter der Leitung von Prof. Dr. Ayelt Komus und Prof. Dr. Andreas Gadatsch durchgeführt.

Mein persönliches Fazit: „Prozessmanagement wird durch die technologischen Einflüsse und Möglichkeiten zunehmend die Rolle des Treibers und Befähigers der Digitalisierung einnehmen“       

Die Unternehmen öffnen sich zunehmend der Digitalisierung. Zumindest wird das Thema in den Führungs- und Leitungsebenen immer stärker diskutiert. Und mit BPMN hat sich ein Modellierungsstandard etabliert, der als zentrales Vehikel für „Automatisierungswillige“ auf dem Weg zur Digitalisierung bereitsteht. Bei IT- und Prozessverantwortlichen hingegen steht noch die Beherrschbarkeit der aktuellen Prozesse und Systeme auf der Tagesordnung. Eine Konzentration auf die „Basis“ ist sicher unabdingbar, um sich schrittweise den aufstrebenden Technologien zu widmen und die damit verbundenen Potenziale konsequent zu erschließen. Dazu zählen z.B. effizientere sowie stabilere Prozesse oder die kollaborative, virtuelle Einbindung von Prozessbeteiligten und nicht zuletzt innovative Geschäftsmodelle. Doch scheinbar zeigt sich hier ein Bruch zwischen Strategie-/Innovationsebene und der operativen Prozessmanagementebene, sodass die Vorteile noch nicht für alle erkennbar sind und somit Motivation und Akzeptanz für Digitalisierungsprojekte fehlen.

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