Agile Tools – der Weg zum eigenen Werkzeugkasten (Teil II)

Anwendungsmöglichkeiten der Retrospektive:

Was eine Retrospektive ist und welche Möglichkeiten sie im Laufe eines Projekts bietet, haben wir bereits im ersten Teil der Reihe: „Agile Projektmanagement-Tools“ erklärt.

Jetzt wollen wir noch einmal genauer darauf eingehen, wie man eine Retrospektive dazu nutzen kann, kontinuierlich besser zu werden.

Dazu eine kleine Ausgangssituation:

Die DataSoftware GmbH entwickelt eine neue Software. Zu verschiedenen Zeiten im Projekt (bspw. am Ende jeden Sprints) wird mit allen Projektteammitgliedern eine Retrospektive durchgeführt. Die Ergebnisse lauten wie folgt:



top       da geht        flop
noch was

Bewertet werden können einzelne Rollen (Scrum Master, Product Owner…), der Prozess, aber auch Werte und Kultur (Werteverständnis, Selbstorganisation, …).
Wichtig ist es, sich vorher Maßstäbe zu setzen, nach denen man bewerten möchte.

Beispielhaft möchte ich hier auf die drei Bereiche Prozessverbesserung, Agiler Coach / Scrum Master und Werteverständnis eingehen.

Prozessverbesserung
  • Unser Team sorgt für einen reibungslosen Ablauf, einen Arbeitsfluss von der Anforderung bis zur Lieferung der Lösung.
  • Unser Team hinterfragt seine Arbeitsweisen und verbessert diese kontinuierlich.
  • Hindernisse werden besprochen und Maßnahmen zur Beseitigung identifiziert.
  • Unnötige Aufgaben, Überlastung, Wartezeiten, Überproduktion etc. werden vermieden.
Agiler Coach/ Scrum Master
  • Er stellt sicher, dass die Teamregeln eingehalten werden und moderiert bei Bedarf den Gestaltungsprozess.
  • Er räumt Hindernisse aus dem Weg und sorgt für die Einhaltung der Zeitfenster.
  • Er unterstützt unser Team in der Eigenständigkeit und Weiterentwicklung.
  • Er coacht den Product Owner und unser Team in der Ausführung ihrer Rolle.
Werteverständnis
  • Wir haben den Mut und zeigen die Eigeninitiative, gemeinsam neue Aufgaben und damit verbundene Unsicherheiten anzugehen.
  • Wir sprechen Probleme und Bedenken offen aus.
  • Wir gehen respektvoll miteinander um und unterstützen einander.
  • Wir arbeiten zusammen, Erfolge und Misserfolge werden geteilt.

Anhand dieser dokumentierten Leitsätze können nun alle Teammitglieder für sich selbst bewerten: Wie empfand ich unsere Zusammenarbeit in den letzten Wochen? Wo sehe ich noch Verbesserungsbedarf? Was ist uns besonders gut gelungen?

Dabei ist es wichtig, die Leitsätze konkret an die einzelnen zu bewertenden Bereiche anzupassen. Ein simples: „Wo waren wir schlecht, und wo wollen wir besser werden?“ – ist nicht zielführend.
Man sieht dies bei dem Scrum Master, der hier sehr stark nach seinen zu erfüllenden Pflichten bewertet wird.
Das Werteverständnis hingegen bezieht sich auf das WIR als gesamtes Team. Wie gehen wir miteinander um und wie offen können wir sein?
Die Prozessverbesserung beschäftigt sich damit, wie sehr wir im laufenden Prozess versuchen, eine Verbesserung herbeizuführen. Wir wollen bewerten, wie gut uns das gelungen ist.

So erhält man viele detaillierte Verbesserungsvorschläge, die man direkt umsetzen kann. Zur besseren Nachverfolgung kann man zwischen den einzelnen Retrospektiven auch einen Trend angeben. Dann sieht man direkt, ob die Vorschläge geholfen haben oder ob weiterer Handlungsbedarf besteht. Daran kann man sich gut als Verantwortlicher orientieren.

Eine Möglichkeit mit der Retrospektive zu arbeiten, stellen wir euch im dritten Teil der Reihe vor.

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