Das Agile Unternehmen – Ein Change in mehreren Akten: Teil I

Auf dem Weg zu mehr Agilität

Trotz aller Einzelkämpfer-Problematik hatte sie etwas für sich, meine alte Rolle als Projektmanager! Ich war so etwas wie ein Unternehmer im Unternehmen. Ich hatte viel Freiheit, unternehmerisch zu handeln und – im vereinbarten Rahmen – Entscheidungen zu treffen. Auch die Verantwortung für die Zielerreichung, Qualität, Kosten und Termineinhaltung habe ich eigentlich gerne getragen. Ich habe meine Stakeholder im Projekt immer ein bisschen wie Aktionäre betrachtet. Es ging darum, ihre Anforderungen zu verstehen und meine Zielerreichung an ihnen messen zu lassen.

Ja, ich war der Motor einiger wichtiger, komplexer Vorhaben im Unternehmen. Die Rolle hat mir Spaß gemacht. Ich wusste, dass es im Kern darum geht, meinen Themen genügend Aufmerksamkeit zu verschaffen und die notwendigen Aktivitäten zu koordinieren, für Abstimmung unter allen Beteiligten zu sorgen und dafür, dass das Projekt die Richtung hält, genug Fahrt hat und zeitnah ins Ziel gelangt.

Immer mehr Vorhaben konkurrieren um die selben Ressourcen
Leider wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, den Motor am Laufen zu halten.
Es gab immer mehr solcher komplexer, wichtiger Vorhaben und wir haben um dieselbe Aufmerksamkeit und dieselben Ressourcen konkurriert. Mir ging es noch ganz gut, aber einigen jüngeren Kollegen, die noch nicht so lange dabei sind, ist es nie richtig gelungen, die nötige unternehmerische Durchschlagkraft zu entfalten.

Die Ziele und Anforderungen sind mittlerweile einfach zu vielfältig. Oft klärt sich erst, wo es eigentlich hingehen soll, wenn das Projekt schon halb rum ist! Ständig verschiebt sich der Umfang oder wächst schleichend und es ist schwierig, Grenzen zu ziehen. Man braucht schon einiges an Standing im Unternehmen, um dem Top-Management ein deutliches „nein, ist nicht meine Baustelle“ sagen zu können. Und auch ich musste häufig lernen, dass Dinge dann plötzlich doch meine Baustelle waren. Aber es gab trotzdem keine Ressourcen dafür.

Zeit für eine radikale Veränderung im PM
Das ist vielleicht auch das, was mich am meisten dazu bewegt hat, jetzt für eine radikale Veränderung unseres Projektmanagements einzustehen: die Ressourcenfeilscherei wurde am Ende wirklich unerträglich und viel zu zeitintensiv! Wie ein Bittsteller habe ich mich manchmal gefühlt, wenn ich versucht habe, die richtigen Leute mit der nötigen Fachexpertise für die anstehende Projektphase zu gewinnen. Und ich musste zusehen, wie sehr gute Fachleute als Projektleiter versagt haben, weil sie nicht die nötige Sozialkompetenz hatten, ein Team bei der Stange zu halten. Sie waren überfordert! Und unsere aktuelle Struktur gibt das nicht her, sie da zu unterstützen. Es wird eben noch als die Rolle des Projektleiters gesehen, die Projektmitarbeiter zu motivieren und dafür zu sorgen, dass die Aufgaben rechtzeitig erledigt werden.

Zeitfresser
Aber mal ehrlich: die „Hilfsmittel“, die unser Unternehmen – wie wahrscheinlich die meisten anderen auch – für das Projektcontrolling angeboten hat, waren häufig eher hinderlich als hilfreich. Die Steuerungsinstrumente wurden immer ausgefeilter und umfangreicher. Meilensteinreports, Risikomanagement, Änderungsmanagement, Informationsmanagement, Terminmanagement und Kostenmanagement fressen so viel Zeit, dass man sich als Projektleiter gar nicht mehr auf die eigentliche wertschöpfende Arbeit konzentrieren kann!

Wir müssen es schaffen, agiler zu werden
Vor einigen Wochen haben einige Kollegen und ich dann ein Scrum-Seminar besucht. Es wurde uns klar, dass wir etwas tun müssen. Sicherlich wird es kein Scrum in Reinform, aber irgendwie müssen wir es schaffen, agiler zu werden und wir haben auch schon die ersten Ideen. Natürlich habe ich viel gelesen, Artikel, Blogbeiträge und ein paar Bücher und alle warnen davor, Scrum halbherzig umzusetzen und vorschnell auf wichtige Aspekte zu verzichten. Wir werden das sauber angehen und uns mit allen Facetten intensiv auseinandersetzen.

Ach, da bekomme ich gerade einen Flyer auf den Tisch.
Ein eintägiges Trendforum in Frankfurt mit dem Thema „Das agile Unternehmen“. Am 25. Juni. Hier gibt es mehr Infos https://www.ibo.de/ibo-trendforum

Ich werde an dieser Stelle über unsere Fortschritte und Erkenntnisse berichten.

Ein Kommentar

  1. Hallo, gute Anregung. Den Spagat zwischen Agilität und Prozess zu schaffen sehe ich auch als grösste Herausforderung. Ich glaube beides muss sein. Ohne Prozess wird der Pm zur Edelmülltonne und ohne Agilität zum Innovationsbremser.

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