Sind meine Tage als Projektleiter gezählt?

Die Projektmanagement-Welt wird zunehmend agiler. Längst sind Methoden und Ansätze aus der Softwareentwicklung auch in anderen Branchen üblich, vor allem SCRUM ist eine gängige Herangehensweise. Wenn man sich die Grundlagen von SCRUM anschaut, wird man feststellen: Da fehlt doch jemand!
Nach den definierten SCRUM-Rollen gibt es keinen eigenständigen Projektleiter mehr. Das Entwicklungsteam soll frei von Einflüssen fokussiert an der Entwicklung einer Lösung arbeiten, die Verantwortung für die Erstellung und Priorisierung von Anforderungen trägt der Product Owner, und koordiniert und überwacht wird der Prozess durch den Scrum Master. Einen Projektleiter sucht man dort vergebens. Sind meine Tage in der Projektleitung damit wirklich gezählt, und diese vorher zentrale und erfolgskritische Rolle wird überflüssig?

Ganz so extrem ist diese Entwicklung sicher nicht, und (ehemalige) Projektleiter finden auch in agilen Projekten ihren Platz. Eine Erfolgsvoraussetzung für agile Methoden ist die sog. Gewaltenteilung. Als Projektleiter war man früher sowohl ein Vertreter vom Projektteam als auch vom Auftraggeber und hatte die gesamte Verantwortung zu tragen. In agilen Projekten wird die Verantwortung auf mehrere Rollen verteilt. Im Fokus stehen Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam. Alle drei haben dabei ihre eigenen Schwerpunkte und Zuständigkeiten.

Der Product Owner ist für den Erfolg des gesamten Projektes zuständig. Diese Verantwortung umfasst nicht nur die Erhebung und Priorisierung von Anforderungen, vielmehr ist darunter ein „Total Cost of Ownership“ zu verstehen. Dies bedeutet, dass der Product Owner auch nach Projektabschluss an Kriterien wie Fehleranfälligkeit, Kosten von Change Requests oder Nutzungsquote eines Systems gemessen wird. Ein Projektleiter kann die Rolle „Product Owner“ in agilen Projekten nur dann erfolgreich ausüben, wenn er über ausreichend fachlicher Expertise verfügt und das Vertrauen genießt, wegweisende Entscheidungen über das Projekt zu treffen. Mit der Rolle des Product Owner gewinnt die Kundensicht in Projekten immens an Bedeutung.

Eine andere Möglichkeit für Projektleiter ist die Übernahme der Rolle des Scrum Masters.
Dieser Rolle obliegt die Hoheit über den Scrum-Prozess. Der Scrum Master übernimmt keine fachlichen Aufgaben aus dem Projekt. Er oder sie kümmert sich um die Organisation und Einhaltung der agilen Methodik und schafft damit den notwendigen Freiraum für das Entwicklungsteam und den Product Owner, sich völlig auf das Projektergebnis zu konzentrieren. Eingegriffen wird nur, wenn der Scrum-Prozess ins Stocken gerät oder das Team in seiner Arbeit behindert wird. Fachlicher Tiefgang für das Projektthema ist aber für den Scrum Master nicht erforderlich, da diese Rolle eher beratend und begleitend tätig ist.

Wie man also erkennen kann, haben Projektleiter durchaus Chancen, in agilen Projekten weiterhin Verantwortung zu übernehmen.  Überflüssig wird ein Projektleiter sicher nicht, seine Tätigkeiten werden nur spezialisierter.

Lernen Sie uns doch einfach persönlich kennen. Auf der PM Welt 2018 haben Sie die Möglichkeit, sich mit uns über dieses und andere Themen auszutauschen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.